Der 15. Juni 2011

Es ist jetzt halb acht abends.

Lukas’ Herz hat vor acht Minuten aufgehört zu schlagen.

Petra, Yannick, Lukas und ich liegen das letzte Mal gemeinsam im Bett.

Wir, die drei zurückgebliebenen versinken für einige Minuten in Verzweiflung und Tränen, die sich so laut und heftig ihren Weg bahnen, wie ich es noch nicht erlebt habe.

Meine Gefühle formen sich zu einem Strudel.

Die Erinnerung an die gemeinsame Zeit, die wir prima genutzt haben, mischt sich mit Angst, was ihn auf der anderen Seite der Pforte erwartet.

Der Schmerz, dass die Zeit des gemeinsamen Lebens nun abgelaufen ist, unwiederbringlich dahin, vermengt sich mit Erinnerungen an das Gefühl, im perfekten Glück zu leben.

Doch schöne Erinnerungen können im Moment nichts ausgleichen.

Vielmehr verstärkt sich alles gegenseitig, es kommt in Bewegung, schneller werdend kreisen Liebe, Wut, Schmerz, Verzweiflung, Glück.

Ich spüre nichts mehr.

Was mir bleibt, ist zu funktionieren.

Ich trage meinen toten Sohn ins Kinderzimmer,
wasche ihn, ziehe ihm seine Lieblingshemd und eine schöne Hose an.

Seine Lippen waren erst leicht bläulich, werden nun ganz blass.
Wenn ich ihn aus den Augenwinkeln sehe, denke ich im Vorbeigehen immer wieder: Ach, wir haben Lukas im Kinderzimmer vergessen.

Yannick hat anfangs ziemliche Probleme damit, dass Lukas nun tot auf dem Sofa in dem einen Kinderzimmer liegt.
Aber lässt sich darauf ein, ihn bis zum nächsten Morgen dort zu ertragen, damit Petra etwas Zeit zum Abschiednehmen hat.

An den Rest des Abends habe ich keine rechte Erinnerung mehr.

Fest steht, dass wir das Ärzteteam, das Bestattungsunternehmen, die nächsten Verwandeten und Freunde informiert haben.

Irgendwann sind wir zu dritt ins Elternbett gegangen.
An Träume kann ich mich nicht erinnern.

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Von hier an möchte ich Euch zwei Geschichten erzählen.

Die eine handelt von der Zeit nach Lukas´ Tod. Sie findet Ihr unter “Vorwärts”.
Unter “Rückwärts” findet Ihr unsere und natürlich besonders Lukas´ Geschichte.
Beide will ich symmetrisch vom 15.6. an erzählen.
Immer einen Schritt in beide Richtungen, bis die Spanne zwischen beiden so weit ist, dass Lukas noch völlig gesund und wir gut in dem neuen Lebensabschnitt angekommen sind.

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